Richard Evo

Jetzt, am Wendepunkt, an dem wir aufs neue erwachen, nehmen wir uns bei der Hand und verlassen das Auge des träumenden Gottes, um unsern eigenen, reinmenschlichen Mythus unter einem götterfreien Himmel ins Leben zu rufen: wir, die selbstgewordenen Söhne und Töchter von Himmel und Erde (aus Wandlung, eine philosophisch-poetische Trilogie).

Evo ist Symbol (thanx, Saskia), steht für eine sich unwiderstehlich vollziehende kollektivpsychische Entwicklung: die Versöhnung des „Männlichen und Weiblichen“. Das Selbst treibt diese Entwicklung voran, besorgt die Formierung und Strukturierung einer sich im „psychischen Weltinnenraum“ (Erich Neumann) ausdehnenden Landschaft des Geistes, die gleichermaßen vom archetypisch Männlichen und Weiblichen gebildet und beseelt wird und Grundlage, Voraussetzung für die Schaffung einer nachpatriarchalen Kultur und Gesellschaft ist.
Man möge mir nachsehen, daß ich das folgende angesichts dieser Entwicklung nicht anders als enthusiastisch ausformulieren kann: Evo ist ein zukunftverbürgender Wohlklang und süßes Versprechen, ein Zeichen des Aufbruchs, das sich wie ein Regenbogen über den Himmel der Kollektivpsyche spannt, ein Stern, der den nach Selbstverwirklichung Verlangenden die Richtung weist, die Verheißung, daß ein Neubeginn möglich ist, daß die psychische Selbstvergewaltigung mitsamt der Unterdrückung des archetypisch Weiblichen jetzt aufhören, weil sich Männer und Frauen mit dem „(Ur-)Weiblichen“ versöhnen und innerlich verbünden, um die Macht des untergründig wirkenden „Blaubartkomplexes“, dem die Herrschenden im Patriarchat ihre Seele verkaufen, für immer zu brechen (⇒ die ganze Geschichte in Wir sind Krise, Band II, fünftes Kapitel).

Daß ein solcher Enthusiasmus dem einen oder anderen angesichts der aktuellen politisch-ökonomischen und ökologischen Weltsituation irrational oder wirklichkeitsfremd oder sogar zynisch erscheinen muß, kann ich nachvollziehen, nur: was änderte es an der Weltlage, würde ich meinen enthusiastisch-ekstatischen Wesenszug unterdrücken!? – Wie auch immer, ich nenne mich Richard Evo, weil ich mich als Teil dieser kollektivpsychischen Entwicklung begreife, die, von vielen bejaht und von einigen inzwischen auch bewußt vorangetrieben – zum Beispiel von mir –, längst zu einer Bewegung geworden ist; zu einer Bewegung, die über das patriarchal geprägte Ichbewußtseinssystem (Über-Ich, Ich, Es) hinausgelangen, die unsichtbaren Ketten dieses Systems sprengen will.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden das Über-Ich und Ich im kollektiven Unbewußten so lange einer reinigenden Transformation unterzogen, bis die Inhalte des Über-Ichs und Es’, soweit menschenmöglich, neutralisiert bzw. integriert sind und das Ich mehr in der Körpermitte ausgerichtet ist – im Brustbereich, sich von dort in den ganzen Körper ausdehnend –, um nunmehr als Brücke zwischen Bewußtsein und Unbewußtem zu fungieren und dadurch nicht mehr nur sich selbst, sondern dem Körperganzen zu dienen.
Entsprechend habe ich den Namen Jecht, der durch meinen Großvater Horst Jecht und Urgroßvater Richard Jecht besetzt war, so lange durch Evo ersetzt, bis der Name Jecht gereinigt und verwandelt zu mir zurückgekehrt ist.

Im Club „Na Haubacke“ fand in den 90ern die Weltmeisterschaft im Hardcore-Ideological-Debating statt, an der Religiöse, Ideologen und andere Fanatiker aus aller Welt in der Absicht teilnahmen, ihre Gegner argumentativ zu vernichten. Unvergessen der Moment, als sich Hermann L. Gremliza, von der Bemerkung „Hüte dich vor zuviel Klugheit“ aufs äußerste provoziert, dazu hinreißen ließ, seinen linken Oberarm zu entblößen und diesen seinem Kontrahenten, einem Buddhisten, demonstrativ vors Gesicht zu halten, um diesem solchermaßen den eigenen IQ, den sich Gremliza, wie sich im Lauf der Debatte herausstellte, bereits als Jugendlicher auf den Arm hatte tätowieren lassen, zur Kenntnis zu bringen.