der „grammatikalisierte mensch“

früher gab es zeitungen, und was darin stand, hat einen geistig nicht gesättigt: „Sie erbrechen ihre Galle und nennen es Zeitung.“ (Nietzsche)
heute gibt es darüber hinaus die medien „fernsehen“ und das „world wide web“, und das verlangen nach geistig relevanter kost ist noch größer geworden.
schon morgen wird es vielleicht niemanden mehr geben, der in der lage ist, ein solches verlangen verspüren zu können.

den menschlichen denkmaschinen, die im gehäuse der wissenschaft und im regelwerk der sprache zu hause sind, geht das freilich am arsch vorbei. sie haben mit gefühlen und instinkten und dem ganzen „irrationalen scheiß“ nichts zu schaffen, blicken mit verachtung auf den instinktiv-emotional-geistigen menschen herab. als musterknaben des rationalen denkens sind sie schon in ihrer jugend bei der „alten vettel grammatik“ brav in die schule gegangen und haben dort gelernt, wie sie es ihr besorgen müssen, damit denk- und textmäßig alles einwandfrei flutscht. mancher wird es nur ungern hören, aber die wahrheit ist, daß die meisten denker der grammatik, der „kalten zuchtmeisterin des richtigdenkens und richtigschreibens“, ein leben lang die fotze geleckt haben, manche durchaus virtuos und mit großer hingabe.

so wurden sie zu „grammatikalisierten menschen“, zu radikalen verfechtern und erfüllungsgehilfen der im westen etablierten, vollends durchregulierten sprach- und denkweise, und also auch zu verfechtern der in diesem kulturkreis herrschenden gesinnungen und ideologien. nietzsche ist dieser zusammenhang immerhin aufgefallen, als er schrieb: „Die Grammatik ist die Metaphysik des kleinen Mannes.“ doch auch der philologe nietzsche hatte sich der grammatik verschrieben, notgedrungen.

und wie geht das zusammen, „grammatiknazi“ (satiremagazin TITANIC) und revolutionär sein?

anyway, das regelwerk des richtigschreibens und richtigdenkens ist etwas, das im wirklichen leben überwunden werden muß. denn die regeln der herrschenden sprache sind nichts als die ketten, an die unsere wahrnehmung geschmiedet ist, die ketten, die dafür sorgen, daß wir nur einen ausschnitt der wirklichkeit wahrnehmen können, ja daß wir die wirklichkeit immer nur den herrschenden sprachkonventionen gemäß wahrnehmen.